Filme: Passion, Four Rooms, Uncle Boonmee, The Road

Ingmar Bergman konnte mich früher eigentlich nicht begeistern. Seine Filme waren mir doch immer etwas zu steril, zu verschlossen. Dabei macht er laut dem Film-Dienst doch genau die Art Filme, die mir absolut entsprechen: “geballte Ladung Seelenentblößung, Depression und tiefste Verzweiflung.” An Das Schweigen und Szenen einer Ehe habe ich aber positive Erinnerungen. Passion gefiel mir jetzt auch erstaunlich gut. Es erinnerte mich an Hautnah mit seiner Konstellation aus vier quälenden und sehnsüchtigen Liebenden, nur war er reifer, intellektueller natürlich, sperriger und verschlossener, aber gerade das macht auch seinen Reiz aus. Und Liv Ullmann ist schon eine ganz besondere Schauspielerin mit einer ganz besonderen “Aura”. Ich möchte jetzt wieder mehr von Ingmar Bergman sehen und ihn mit offenen Armen empfangen. Vielleicht habe ich mittlerweile die Reife erreicht, um ihn besser zu verstehen.

Quentin Tarantino ist wohl der Regisseur, den ich am meisten verabscheue. Und vor allem seine Fans, die sich für ach so hart und cineastisch halten. Ein Regisseur, der Gewalt und sogar Krieg für so cool verkauft, den muss man einfach verabscheuen. Und wenn ich ihn schon sehe, diesen Videothekar, der aus Versehen in die Welt der intellektuellen Filmemacher gepurzelt ist, da sträubt sich mir alles. Brrrr. Trotzdem wollte ich schon sein Oeuvre kennen, finden ihn manche Leute doch irgendwie wichtig. Four Rooms fand ich aber nicht mehr als nett, eine kurzweilige, absurde Fingerübung mit einem schön überdrehten Tim Roth. Die Episode von Tarantino fand ich freilich pseudo-cool und wegen seinem persönlichen Auftritt schwer erträglich.

Ein Film, der von Tim Burton die Goldene Palme bekommt, der muss doch gut sein, oder? Wahrscheinlich schon. Aber verstanden habe ich Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben trotzdem nicht. Aber das ist auch gar nicht weiter schlimm. Denn ein interessanter Ausflug war es trotzdem. Und ich mag solche sehr langsamen, fast meditativen Filme manchmal schon ganz gerne. Da kann man die Bilder einfach mal wirken und die Gedanken schweifen lassen. Und diese Affenwesen mit den leuchtend roten Augen waren irgendwie sehr magisch.

The Road schließlich ist wie ein Traum, nach dem man sich nur langsam wieder an die Realität gewöhnen kann. Er hat mich zwei Stunden fest entführt in eine graue Welt ohne Hoffnung. Vielleicht ist er nicht ganz so eindringlich wie ich gehofft hatte, aber er trägt den Gehalt der literarischen Vorlage sehr gut, vermittelt konsequent eine trostlose und doch irgendwie sehnsüchtige Atmosphäre, eine elegische Trauer und einen sacht glimmenden Willen. Viggo Mortensen ist wie erwartet makellos besetzt. Er kann diese Fürsorge und diesen fast schon verzweifelten Überlebenswillen gepaart mit stiller Hoffnungslosigkeit so gut spielen. Auch die sanfte Musik von Nick Cave und Warren Ellis ist natürlich ganz toll. Überzeugender, trostloser und doch auch schöner hätte man Cormac McCarthys Roman schwer verfilmen können. John Hillcoat hat mich nach dem tollen (Post-?)Western The Proposition nicht enttäuscht.

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